Im Gespräch mit
Dr.-Ing. Jan Hagemeister

Hagemeister

„Transformation braucht nicht nur neue Technologien – sondern vor allem intelligente Produktionskonzepte.“

Viele Industrien bewegen sich derzeit zwischen zwei Extremen: Wachsende Märkte verlangen den schnellen Hochlauf neuer Produkte, Märkte unter Kostendruck erfordern konsequente Effizienz und Anpassungsfähigkeit. Dr.-Ing. Jan Hagemeister begleitet Kunden bei sbp genau auf diesem Weg – von der Werksplanung über den Hochlauf neuer Produktionslinien bis zur Optimierung laufender Prozesse.

Wir haben mit ihm über seine Arbeit, aktuelle Entwicklungen und die Zukunft von E-Mobilität und Operations Engineering gesprochen.

1. Herr Dr. Hagemeister, was genau machen Sie bei sbp?

Als Experte für E-Mobilität und Operations Engineering unterstütze ich Unternehmen beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung effizienter Produktionsstandorte. Das reicht von der Werksplanung mit Layout, Materialfluss sowie Kapazitäts- und Ressourcenplanung über die Industrialisierung und den Hochlauf neuer Produktionslinien bis zur systematischen Optimierung bestehender Prozesse. Gerade in der E-Mobilität entwickeln sich Technologien und Stückzahlen besonders schnell – genau hier kommt es auf diese Skalierungsfähigkeit an.

2. Was fasziniert Sie persönlich an diesem Themenfeld?

Viele Industrien befinden sich mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Neue Produkte, neue Fertigungsverfahren und Märkte, die mal stark wachsen und mal unter Druck stehen, verändern die Anforderungen an die Produktion ständig. Diese Dynamik macht die Arbeit spannend: Es gibt selten Standardlösungen, sondern immer wieder neue Aufgabenstellungen, für die wir gemeinsam mit unseren Kunden tragfähige Konzepte entwickeln.

3. Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen für Unternehmen?

Viele Unternehmen müssen heute Investitionsentscheidungen treffen, obwohl sich Technologien, Produkte und Stückzahlen sehr dynamisch entwickeln. Produktionssysteme müssen deshalb nicht nur effizient, sondern vor allem flexibel und skalierbar sein – und zwar in beide Richtungen: beim schnellen Hochlauf ebenso wie bei der Anpassung an schwankende Nachfrage und steigenden Kostendruck. Genau an dieser Stelle setzen wir an: Wir analysieren Prozesse, entwickeln tragfähige Konzepte und schaffen eine fundierte Entscheidungsbasis für Investitionen. Ein typischer Fall aus der Praxis: Ein Standort soll seine Kapazität deutlich erhöhen, ohne dass heute feststeht, welche Produktvarianten in drei Jahren gefragt sind – genau dafür planen wir Strukturen, die mitwachsen können.

4. Wie unterstützt sbp seine Kunden dabei?

Unser Ansatz ist ganzheitlich. Wir betrachten nicht nur einzelne Anlagen oder Prozesse, sondern die gesamte Wertschöpfungskette – von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Dabei kombinieren wir Werksplanung, Prozessoptimierung, Digitalisierung, Simulation und Automatisierung. Welcher Automatisierungsgrad der richtige ist – manuell, teil- oder vollautomatisiert –, ergibt sich aus Prozess und Stückzahlen, nicht umgekehrt. So können wir bereits in einer frühen Projektphase verschiedene Szenarien bewerten und gemeinsam mit dem Kunden die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung entwickeln.

5. Welche Rolle spielt Digitalisierung dabei?

Eine sehr große. Digitale Modelle und Simulationen – zunehmend auch KI-gestützt – ermöglichen es, Produktionsprozesse bereits vor der Umsetzung zu analysieren und zu optimieren. Dadurch lassen sich Risiken minimieren, Entscheidungen aabsichern und Projekte effizienter realisieren. Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für zukunftsfähige Produktionssysteme.

6. Was zeichnet die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden aus?

Engineering ist für uns immer Teamarbeit. Die besten Lösungen entstehen im engen Austausch mit unseren Kunden. Deshalb hören wir genau zu, verstehen die Anforderungen und entwickeln gemeinsam individuelle Konzepte. Dabei steht für mich trotz aller Technologie immer der Mensch im Mittelpunkt – sowohl auf Kundenseite als auch in unseren Projektteams.

7. Worauf legen Sie persönlich in Projekten besonderen Wert?

Auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Gute Entscheidungen entstehen auf einer soliden technischen Grundlage. Deshalb ist es mir wichtig, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen und gemeinsam mit dem Kunden Lösungen zu entwickeln, die langfristig funktionieren – unterstützt durch unsere interdisziplinären Teams und kurze Entscheidungswege.

8. Ein Blick in die Zukunft: Welche Entwicklungen erwarten Sie im Operations Engineering?

Die Fähigkeit, Produktionskapazitäten schnell auf- und umzubauen, wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor – in wachsenden Märkten ebenso wie in Märkten unter Kosten- und Anpassungsdruck. Der Trend geht dabei klar zum stufenweisen Ausbau: kurze Ramp-up-Zeiten, konsequentes Performance Management mit klaren Kennzahlen und kontinuierliche Verbesserung statt großer Sprünge auf dem Reißbrett. Dazu gehört oft ein bewusst gestufter Automatisierungsgrad: teilautomatisiert starten und mit steigenden Stückzahlen ausbauen. Fachkräftemangel und Energiekosten kommen hinzu: Prozesse müssen mit weniger Personal stabil laufen und effizient mit Energie und Material umgehen. Wichtig ist mir dabei Technologieoffenheit: Ob E-Mobilität oder andere Industrien – die Prinzipien effizienter, skalierbarer Produktion gelten überall. Genau dafür entwickeln wir bei sbp die passenden Produktionskonzepte – gemeinsam mit Industriepartnern und in engem Austausch mit Forschungseinrichtungen.