Im Gespräch mit
Antonio Nogueira

„Ein Flughafen funktioniert nur dann zuverlässig,
wenn im Hintergrund
alles zusammenspielt.“

Flughäfen gehören zu den komplexesten Infrastrukturen überhaupt. Tausende Prozesse laufen gleichzeitig ab – oft unsichtbar für die Passagiere, aber entscheidend für einen reibungslosen Betrieb. Antonio Nogueira verantwortet bei sbp Spanien die technische Leitung der Bereiche Airport Services und Automatisierung. Im Interview spricht er über die Faszination der Flughafenwelt, die Modernisierung komplexer Infrastruktur und darüber, wie Digitalisierung und Automatisierung den Betrieb sicherer und effizienter machen können.

1. Antonio, was begeistert Sie an der Arbeit im Bereich Airport Services?

Flughäfen faszinieren mich, weil unglaublich viele unterschiedliche Systeme und Prozesse ineinandergreifen. Vom Check-in über die Gepäckförderung bis zum Boarding muss alles zuverlässig funktionieren und aufeinander abgestimmt sein. Genau diese Komplexität macht meine Arbeit spannend. Es geht darum, Technik, Prozesse und Menschen so zusammenzubringen, dass der Betrieb sicher, effizient und wirtschaftlich läuft.

2. Welche Aufgaben übernehmen Sie
bei sbp?

Ich verantworte die technische Leitung unserer Projekte im Bereich Airport Services und Automatisierung. Gemeinsam mit unseren Teams entwickeln wir Lösungen für die Planung, Optimierung und Modernisierung von Flughafeninfrastruktur – von einzelnen technischen Anlagen bis zu komplexen, miteinander vernetzten Systemen. Dabei begleiten wir Projekte von der Bestandsanalyse und technischen Konzeption über Planung und Umsetzung bis zur Inbetriebnahme. Das Schöne daran: Vieles davon bemerkt der Passagier nie – und genau dann haben wir unsere Arbeit gut gemacht.

3. Was sind derzeit die größten Herausforderungen für Flughäfen?

Die Anforderungen steigen kontinuierlich. An vielen Flughäfen wachsen Passagierzahlen und Kapazitätsanforderungen, während sich Terminals und Vorfeld nicht beliebig erweitern lassen. Bestehende Infrastruktur muss deshalb effizienter genutzt und gleichzeitig flexibler, nachhaltiger und sicherer werden.

Dabei geht es nicht nur um technische Anlagen, sondern zunehmend auch um die Frage, wie sich Menschen durch komplexe Infrastrukturen bewegen. Deshalb haben wir unser Portfolio um den Bereich People Flow erweitert. Mit entsprechenden Analysen und Simulationen können wir beispielsweise untersuchen, wo Engpässe entstehen und wie sich Passagierströme bei der Planung oder Optimierung von Flughäfen und anderen Infrastrukturen berücksichtigen lassen.

4. Welche Rolle spielt
Automatisierung dabei?

Automatisierung kann einen großen Beitrag leisten – aber am Flughafen muss sie vor allem eines: den Betrieb zuverlässig unterstützen. Es geht nicht darum, möglichst viel zu automatisieren, sondern die richtigen Prozesse. Intelligente Steuerungssysteme, digitale Zwillinge und datenbasierte Analysen helfen dabei, Anlagen transparenter zu betreiben, Ausfälle frühzeitig zu erkennen und Abläufe effizienter zu gestalten. Entscheidend ist, dass sich neue Technologien sicher in die bestehende Flughafeninfrastruktur integrieren lassen.

5. Was unterscheidet Airport-Projekte von klassischen Industrieprojekten?

Ein wesentlicher Unterschied ist, dass wir fast immer in eine bestehende und hochverfügbare Infrastruktur eingreifen. Einen Flughafen kann man für eine Modernisierung nicht einfach für mehrere Wochen stilllegen. Planung, Montage und Inbetriebnahme müssen deshalb sehr genau auf den laufenden Betrieb abgestimmt werden. Gleichzeitig gibt es zahlreiche technische und organisatorische Schnittstellen. Genau hier hilft uns unser interdisziplinärer Ansatz: Wir betrachten nicht nur die einzelne Anlage, sondern ihre Funktion im Gesamtsystem Flughafen.

6. Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit Kunden besonders wichtig?

Mir ist besonders wichtig, die betrieblichen Anforderungen wirklich zu verstehen. Eine technisch gute Lösung hilft wenig, wenn sie im täglichen Flughafenbetrieb nicht funktioniert. Deshalb beziehen wir Betreiber, Nutzer und weitere Beteiligte möglichst früh ein und stimmen technische Entscheidungen eng mit den tatsächlichen Abläufen vor Ort ab. Vertrauen und offene Kommunikation sind dafür natürlich die Grundlage.

7. Sie haben den Bereich Airport Services bei sbp in den vergangenen Jahren mit aufgebaut. Was macht Sie dabei besonders stolz?

Besonders freut mich, wie schnell wir uns mit unserem Team als Engineering-Partner im Airport-Umfeld etablieren konnten. Wir konnten bereits anspruchsvolle Projekte an Flughäfen wie Frankfurt und Köln/Bonn begleiten und haben dabei sehr positives Feedback von unseren Kunden erhalten. Gerade Projekte im Bestand und bei laufendem Betrieb zeigen, wie wichtig präzise Planung und die enge Abstimmung aller Beteiligten sind. Wenn am Ende technisch viel verändert wurde und der Passagier davon möglichst wenig bemerkt, haben wir unser Ziel erreicht.

8. Wohin entwickelt sich die Flughafenbranche in den
kommenden Jahren?

Ich sehe vor allem drei große Themen: Digitalisierung, Automatisierung und die Modernisierung bestehender Infrastruktur. Flughäfen werden künftig wesentlich stärker datenbasiert arbeiten und ihre Systeme zunehmend miteinander vernetzen. Gleichzeitig findet ein großer Teil dieser Transformation im Bestand und bei laufendem Betrieb statt. Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, neue Technologien einzusetzen, sondern sie sicher und sinnvoll in bestehende Prozesse und Systeme zu integrieren. Nachhaltigkeit und ein effizienter Einsatz von Energie und Ressourcen werden dabei ebenfalls eine immer größere Rolle spielen. Genau darin sehe ich eine der wichtigsten Aufgaben für uns als Engineering-Partner.

9. Und wenn Sie gerade einmal nicht an Flughafenprozesse denken –
wie schaffen Sie den Ausgleich
zum Berufsalltag?

Ich habe das Glück, auch beruflich Teil eines sehr eingespielten Teams zu sein. Wir verstehen uns wirklich gut und unternehmen auch außerhalb des Büros gemeinsam etwas.

Und ansonsten sind meine Hobbys wahrscheinlich weniger innovativ als die Lösungen, die wir für unsere Kunden entwickeln (lacht): Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie, lese, gehe schwimmen und – wenn die Bedingungen passen – Skifahren. Und eine Runde mit dem Motorrad gehört für mich natürlich auch dazu.